| Da wohnen die Hobbits |
Von León nach Hospital de Orbigo (38 km)
Die Nacht war kurz, der Morgen ist hart, ich will eigentlich nicht aufstehen und muss mich zwingen, die Beine über das Bett zu schwingen. Wenn man erst einmal steht und bald die Herberge verlassen hat, geht es etwas leichter. Nur meine Laune ist total im Keller, ich weiß nicht warum, aber ich bin einfach nur schlecht gelaunt und ohne Antrieb.
Es gibt kein Frühstück, ich will erstmal aus der Stadt raus. Ich komme an einem McDonalds vorbei, ein Burger zum Frühstück hätte mir schon gefallen, aber das Lokal ist zu dieser frühen Stunde noch nicht offen. Es war die richtige Entscheidung am Fluss entlang zu gehen, dieser Weg ist viel kürzer, als wenn ich erst die Route in der Altstadt gesucht hätte und der Camino muss letzten Endes den Fluss überqueren, der sich neben mir seinen Weg bahnt.
Ich folge einfach dem Straßenverlauf und hoffe, dass ich mich immer noch auf dem Jakobsweg befinde, ganz sicher bin ich mir da nicht. In einem kleinen Dorf hinter León schaue ich auf die Karte, wenige Sekunden danach höre ich meinen Namen. Judith hat mich aus der Ferne erkannt und mir zugerufen. Sie meint, nur ein gutes Frühstück kann meine Lebensgeister wieder zurück bringen.
Die Nacht war kurz, der Morgen ist hart, ich will eigentlich nicht aufstehen und muss mich zwingen, die Beine über das Bett zu schwingen. Wenn man erst einmal steht und bald die Herberge verlassen hat, geht es etwas leichter. Nur meine Laune ist total im Keller, ich weiß nicht warum, aber ich bin einfach nur schlecht gelaunt und ohne Antrieb.
Es gibt kein Frühstück, ich will erstmal aus der Stadt raus. Ich komme an einem McDonalds vorbei, ein Burger zum Frühstück hätte mir schon gefallen, aber das Lokal ist zu dieser frühen Stunde noch nicht offen. Es war die richtige Entscheidung am Fluss entlang zu gehen, dieser Weg ist viel kürzer, als wenn ich erst die Route in der Altstadt gesucht hätte und der Camino muss letzten Endes den Fluss überqueren, der sich neben mir seinen Weg bahnt.
Ich folge einfach dem Straßenverlauf und hoffe, dass ich mich immer noch auf dem Jakobsweg befinde, ganz sicher bin ich mir da nicht. In einem kleinen Dorf hinter León schaue ich auf die Karte, wenige Sekunden danach höre ich meinen Namen. Judith hat mich aus der Ferne erkannt und mir zugerufen. Sie meint, nur ein gutes Frühstück kann meine Lebensgeister wieder zurück bringen.
Wir verschanzen uns also im erstbesten Café, dass wir finden können, es liegt direkt am schmalen Weg. Nach einem Schokobrötchen fühle ich mich schon wohler, es war also nur das fehlende Frühstück, was mir die Laune vermieste. Wir ziehen an einen größeren Tisch, Mary und das schwedische Ehepaar gesellen sich zu uns und gemeinsam verzehren wir das Essen, während immer wieder Pilger an uns vorbei laufen. Die Runde ist laut, fröhlich und permanent am Lachen, als würden wir uns schon seit langer Zeit kennen. Judith verschwindet kurz im Café und kehrt mit einem großen mit Sahne gefüllten Napolitana zurück, das sie mir vor die Nase setzt.
„Für dich Christian, ich weiß, du kannst so viel Essen, ich weiß du brauchst das jetzt und ich weiß, du bist eine Naschkatze.“
Mit allem hat sie Recht und danach sind wir alle gesättigt und gerollt, das sollte für die nächsten Stunden reichen. Mary schließt sich uns beiden an und wir schlagen den Weg in die wilde Landschaft ein, am Horizont können wir bereits schwarze Wolken und Regen erkennen, der uns bald einholt. Judith und ich kleiden uns in unsere Regensachen, in denen schwitzt man sich aber tot. Mary geht die ganze Sache viel einfacher an, sie hat einen Regenschirm. „Er hält dich trocken, wenn es regnet, schützt dich vor der Sonne und du schwitzt nicht darunter.“
Zum Glück hat sich der Regen schnell wieder verzogen und wir können trocken weiter ziehen. Die große Pause in Villar de Mazarife halten wir zusammen mit zwei Italienern, die wir davor von Zeit zu Zeit getroffen hatten, vor dem Supermarkt. Damit will ich sagen, dass wir auf Plastikstühlen oder auf dem Bordstein vor dem Tante-Emma-Laden von Mazarife sitzen. Das Dorf ist sehr niedlich, die Herberge sieht traumhaft aus, ich habe das schwedische Pärchen dort einkehren sehen und spiele mit dem Gedanken ebenfalls hier zu bleiben, aber Judith kann mich zum Weitergehen motivieren.
In meinem Reiseführer ist dies die einzige in dieser Länge ausgewiesene Strecke. Alle sonstigen Etappen belaufen sich auf maximal 30 km, meistens aber weniger. Diese Etappe ist mit 38 km deutlich die längste des Reiseführers. Zu Recht steht dort, dass man dieses Stück Weg auf keinen Fall mit einem Mal bewältigen, sondern eher in Mazarife unterbrechen sollte, falls man in León erst begonnen hat. Wäre ich nicht schon seit zwei Wochen unterwegs, wäre ich auch nicht die vollen 38 km gelaufen, jetzt ist das nicht mehr das Problem.
Der Typ von gestern, dessen Schuhe noch geblitzt haben, ist ebenfalls hier, er hat ein gutes Tempo drauf und er geht noch weiter, davor kann ich nur meinen Hut ziehen.
Ab hier geht wieder jeder für sich, ist nicht unbedingt schön, aber machbar. Nun wird mir klar, dass ich nicht mehr alleine laufen möchte. Ich hatte meine Tage für mich allein, wo ich in Ruhe nachdenken konnte, jetzt hätte ich gerne Gesellschaft. Aber ich werde auch niemanden überreden sich meinen Pausenzeiten anzupassen.
Im Laufe der Reise ist bei mir der Trend erkennbar, dass ich gerne Kirchen besuche, das war schon vorher so, hat sich hier aber noch verstärkt, vielleicht, weil einem die Kreuze beinahe ins Gesicht springen. Ich bin nach wie vor nicht gläubig, das ist nichts für mich, interessant ist es schon, aber mehr auch nicht. Vor der Reise bin ich einmal gefragt worden, ob ich auf der Suche nach Gott wäre, eine einsame Pilgerschaft mag schon wie Katharsis oder Gottsuche klingen. Nichts da, die Frage habe ich vehement verneint. Ob er mir hier begegnet? Ja was weiß ich, vielleicht macht es vor mir Plopp und da steht Morgan Freeman und schenkt mir auf befristete Zeit seinen Job. Die nächste Frage zielte auf meine Übernachtungen, ob ich in die Herbergen oder in Hotels gehen werde. Auch das konnte ich zu der Zeit noch nicht beantworten, viel wusste ich nicht darüber, nur dass stets die Gefahr für Bettwanzen besteht, die mich aber brav in Ruhe lassen.
„Aber du solltest schon in der Herberge schlafen, Gott hin oder her, ein ordentlicher Pilger schläft in der Herberge.“
| Die Pilgerbrücke |
Ich glaube jedoch nicht, dass mir Gott auf einer verranzten Herbergstoilette begegnen wird, war meine Erwiderung.
Also halten wir fest, der Herr auf den Wolken zeigt sich nicht, besser so, meine Einstellung dazu hat sich auch nicht verändert. Es ist allemal besser als konfessionsloser nach Spanien zu reisen, als wenn man evangelisch getauft wurde, so wie Thomas. Die konfessionslosen lassen sich bekehren, die evangelischen sind verloren.
Solche Gedanken schießen mir durch den Kopf, Schritt für Schritt nähere ich mich Hospital de Orbigo, ein gewaltiger Durst plagt mich und ich saufe meine frisch aufgefüllte Flasche wieder leer.
Judith kann ich hier aufgabeln und mitnehmen. Als wir an einem gigantischen Kürbis vorbei laufen, lenkt sie das Thema auf Küchen, Kochen und Kürbissuppe. Lange Zeit diskutieren wir, was „Schnellkochtopf“ auf Englisch heißt, jeder kennt nur das Wort in der eigenen Sprache.
Als wir Hospital erreichen, erscheint uns der Ort furchtbar und unattraktiv, wir müssen erst fragen, ob wir am Ziel sind, denn es gibt nirgendwo ein Schild und die Wegbeschreibung im Reiseführer haut auch nicht ganz hin. Und wieder einmal gewährt der Blick um die Ecke gewaltige Überraschungen, wir laufen an einem hässlichen Haus vorbei und da tut sich zu unserer Linken die große 20-bogige Brücke auf, übrigens die längste steinerne auf dem Camino.
Die Herberge scheint für Templer gemacht, der Innenhof ist mit Templerkreuzen übersät und sieht toll aus, aber hier herrschen wieder die Fliegen und zwei kleine Katzen, die sich ständig in die Zimmer schleichen.
In der Küche bereitet jeder sein eigenes Essen zu, aber es macht Spaß sich alles mit anderen zu teilen, hier sind Koreaner, Schweden, Amerikaner. Zum Schluss geben uns die drei Italiener noch etwas von ihrer sehr scharfen Pasta ab und bestehen auf einem Wein-Gelage. Nur einer von denen kann Englisch, mir zu liebe übersetzt er alles. Judith macht sich im Spanischen ziemlich gut, sie profitiert von der engen Verwandtschaft zwischen Französisch und Spanisch, somit kann sie sich auch gut mit den Italienern unterhalten. Die Krönung des Abends ist eine Fotoschau von Judith auf ihrem Ipad, ja, auch diese Frau ist verrückt, dass sie dieses relativ schwere Gerät mit sich herumschleppt. Die haben ein schönes Apartment in Quebec, mit Klettergriffen an den Dachbalken und einer wunderbaren Küche, ein Rennrad hängt an der Wand, alles, was das Herz begehrt. Sie machen zu Hause eine Menge Wandertouren durch die vielfältige kanadische Landschaft. Und wie Judith einmal erzählte, reisen sie mit Marathons. Wenn also einer in einer größeren Stadt, wie meinetwegen New York, stattfindet, dann macht sich die Familie auf den Weg dorthin. Judith und ihr Mann Jean-Luc laufen dabei mit, oder auch Triathlons, sie und ihr Mann sind Sportskanonen, bezeichnenderweise haben sie sich in einem Jogger-Club kennengelernt.
zurückgelegte Strecke: 507 km
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