| Cruz de ferro |
Von Santa Catalina nach Ponferrada (46 km)
Es hat seit gestern Nachmittag stetig weiter geregnet, als müsste der Himmel die Trockenheit der letzten Wochen mit einem Mal ausgleichen. Unsere Schuhe standen regensicher und mit Zeitungspapier ausgestopft im Schlafsaal, dort wäre es warm genug zum Trocknen, aber das haben die nicht geschafft, sie sind noch feucht. Dafür passen sie jetzt hervorragend, meine Socken halten die Feuchte zum Glück von meinen Füßen fern.
Abermals ist die Wanderung durch die Mondnacht zutiefst beeindruckend, ich wünschte ich hätte eine bessere Kamera dabei und nicht diese Digicam, zu gerne würde ich anständige Nachtfotos machen. Meine kanadische Begleitung bleibt wenige hundert Meter hinter mir, das hat sich so ergeben. Es passiert einfach, wenn man in seiner eigenen Geschwindigkeit läuft. Frühstück in Rabanal del Camino, der Ort ist wirklich schön, hier hätte ich gerne genächtigt. Das Dorf scheint einst recht wohlhabend gewesen zu sein oder zumindest über genug Geld verfügt zu haben, um sich eine prächtige Pflastersteinstraße leisten zu können. Die Straße beginnt leicht anzusteigen, ein erster Hinweis, dass wir endlich die Berge betreten, darauf haben wir lange gewartet. Im Norden konnte man sie stets sehen, die Ausläufer der Pyrenäen, weit im Westen, dort, wo wir uns jetzt befinden, machen sie einen Schlenker nach Süden und kreuzen den Camino francés. Der letzte reguläre Ort auf dieser Seite ist Foncebadón, ein klassisches Bergdorf, die Zeit scheint hier still zu stehen. Wenn es keine Autos gäbe, hätte ich den Ort 500 Jahre früher eingeordnet.
Es hat seit gestern Nachmittag stetig weiter geregnet, als müsste der Himmel die Trockenheit der letzten Wochen mit einem Mal ausgleichen. Unsere Schuhe standen regensicher und mit Zeitungspapier ausgestopft im Schlafsaal, dort wäre es warm genug zum Trocknen, aber das haben die nicht geschafft, sie sind noch feucht. Dafür passen sie jetzt hervorragend, meine Socken halten die Feuchte zum Glück von meinen Füßen fern.
Abermals ist die Wanderung durch die Mondnacht zutiefst beeindruckend, ich wünschte ich hätte eine bessere Kamera dabei und nicht diese Digicam, zu gerne würde ich anständige Nachtfotos machen. Meine kanadische Begleitung bleibt wenige hundert Meter hinter mir, das hat sich so ergeben. Es passiert einfach, wenn man in seiner eigenen Geschwindigkeit läuft. Frühstück in Rabanal del Camino, der Ort ist wirklich schön, hier hätte ich gerne genächtigt. Das Dorf scheint einst recht wohlhabend gewesen zu sein oder zumindest über genug Geld verfügt zu haben, um sich eine prächtige Pflastersteinstraße leisten zu können. Die Straße beginnt leicht anzusteigen, ein erster Hinweis, dass wir endlich die Berge betreten, darauf haben wir lange gewartet. Im Norden konnte man sie stets sehen, die Ausläufer der Pyrenäen, weit im Westen, dort, wo wir uns jetzt befinden, machen sie einen Schlenker nach Süden und kreuzen den Camino francés. Der letzte reguläre Ort auf dieser Seite ist Foncebadón, ein klassisches Bergdorf, die Zeit scheint hier still zu stehen. Wenn es keine Autos gäbe, hätte ich den Ort 500 Jahre früher eingeordnet.
| Wohin als nächstes? |
An der Bergflanke verläuft die Straße in engen, steil ansteigenden Kurven und am der Kuppe sieht es wie ein normaler Bergwanderweg aus: steinig, holprig, wenig Bäume, viele Sträucher und eine bezaubernde Aussicht. Das Pilgerkreuz zeigt sich erst, als wir wieder die Landstraße betreten, denn direkt an deren Seite befindet es sich. Das Cruz de ferro, grob übersetzt Eisenkreuz, ist ein schlichtes eisernes Kreuz, das hoch auf einem langen, mächtigen Holzpfahl angebracht ist. Um dem üblichen Vandalismus vorzubeugen, hat der Stamm einen Eisenkern und ist unten zusätzlich mit Blech ummantelt. Das Fundament des Kreuzes ist ein übergroßer Steinhaufen, der stetig wächst. Es ist nämlich Brauch einen Stein von zu Hause mitzubringen und hier abzulegen, als Symbol der mitgetragenen Lasten und Sorgen, derer man sich nun entledigen kann. Als angehender Geologe ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, nicht irgendeinen Kieselstein vom Strand oder aus dem Garten mitzunehmen. In den Alpen fand ich einen großen Quarzblock, direkt an der Flanke des Mallnocks. Dieser Quarz ist eine Folge der Gesteinsmetamorphose, die das Gestein des Mallnocks erfahren hat. Bei etwa 300°C wurde der Quarz in der Tiefe aufgeschmolzen und hat sich zusammen mit dem Wasser aus dem umgebenden Gestein entfernt. Ähnlich wie Wasser sich in Rinnsalen sammelt, hat sich der Quarz zu Gängen formiert, ist abgekühlt und kann heute als Block an der Erdoberfläche angefunden werden. Den Block habe ich mit nach Berlin genommen und dort im Hinterhof von Philips Wohnung zertrümmert. Ein Teil wanderte in meinen Rucksack, der andere mit nach Hause.
Vom Cruz de Ferro habe ich persönlich mehr erwartet, ein wenig romantisch war wohl meine Vorstellung, es würde sich auf dem Berggipfel befinden, weitläufiger Blick zu allen Seiten, und das Kreuz war in meiner Vorstellung auch größer. Aber dem ist nicht so, der Steinhaufen liegt direkt an der ruhigen Landstraße, hoch sind wir, aber auf einer großen Waldlichtung. Für den kleinen touristischer Magneten hat man um das Kreuz einen Picknickplatz errichtet, jedoch vergessen, auch Toiletten, Brunnen und Mülleimer anzubringen, es gibt also eigentlich nur Bänke.
Wir bleiben nur eine halbe Stunde hier und nachdem ich meinen Stein abgelegt habe, ziehen wir weiter. Es geht vorrangig leicht bergab bis nach Manjarín, ein seltsamer Ort. Ich finde, man kann es nicht wirklich Ort nennen, wie schon bei Sanbol, steht hier eigentlich nur ein Haus, und zwar die Templerherberge. Dabei handelt es sich um eine Holzhütte, Latrine gegenüber auf der anderen Straßenseite. Ein Freund hat sie mir wärmstens empfohlen, es soll hier sehr familiär und fürsorglich zugehen. Trotzdem will ich nicht hier bleiben, und es ist noch viel zu früh dafür. Der Weg steigt wieder an, die meisten Pilger denken, dass das Kreuz der höchste Punkt des Berges ist, aber damit liegen sie falsch. Ein Blick auf das Höhenprofil in meinem Reiseführer offenbart, dass es noch 50 Meter höher geht, das ist nicht viel und über die Strecke verteilt auch nicht wirklich steil. Aber viele sind darauf eben nicht vorbereitet und gehen für kurze Zeit gehörig in die Knie.
Wir bleiben nur eine halbe Stunde hier und nachdem ich meinen Stein abgelegt habe, ziehen wir weiter. Es geht vorrangig leicht bergab bis nach Manjarín, ein seltsamer Ort. Ich finde, man kann es nicht wirklich Ort nennen, wie schon bei Sanbol, steht hier eigentlich nur ein Haus, und zwar die Templerherberge. Dabei handelt es sich um eine Holzhütte, Latrine gegenüber auf der anderen Straßenseite. Ein Freund hat sie mir wärmstens empfohlen, es soll hier sehr familiär und fürsorglich zugehen. Trotzdem will ich nicht hier bleiben, und es ist noch viel zu früh dafür. Der Weg steigt wieder an, die meisten Pilger denken, dass das Kreuz der höchste Punkt des Berges ist, aber damit liegen sie falsch. Ein Blick auf das Höhenprofil in meinem Reiseführer offenbart, dass es noch 50 Meter höher geht, das ist nicht viel und über die Strecke verteilt auch nicht wirklich steil. Aber viele sind darauf eben nicht vorbereitet und gehen für kurze Zeit gehörig in die Knie.
| Geologie: Berufskrankheit |
Hinter dem Kloster, das zum eigentlichen Manjarín gehört, geht es dann nur noch nach unten und hier wird uns ein Panoramablick erster Güte gewährt, da wir nun auch Ponferrada in der Ferne erkennen zu können, den ganzen Berg müssen wir jetzt wieder hinunter, die Sonne steht hoch über uns, wirklich heiß ist es aber nicht. An den fernen Berggipfeln kleben vereinzelt weiße Wolken, ansonsten ist der Himmel strahlend blau.
Heute ist ein großartiger Tag, wir fühlen uns topfit, haben hervorragendes Wetter und genießen die Sicht zu allen Seiten. Ich mag das Gefühl, über einen Bergkamm zu laufen, während es links und rechts nichts gibt, was einen überragt, weil der Boden mit trockenen Sträuchern bedeckt ist.
Als wir die Straße überqueren müssen, sind Judith und ich gerade in ein Gespräch über diesen tollen Tag vertieft. Es kommt uns ein Auto entgegen, hält mitten auf der Straße, und ein Mann springt mit einer Karte heraus. Es ist nicht viel Grips nötig, um zu klären, dass er es auf uns abgesehen hat, denn wir sind die einzigen Menschen weit und breit. Er hält auch direkt auf uns zu, Judith verzieht sich etwas in den Hintergrund und der Mann spricht mich an.
Heute ist ein großartiger Tag, wir fühlen uns topfit, haben hervorragendes Wetter und genießen die Sicht zu allen Seiten. Ich mag das Gefühl, über einen Bergkamm zu laufen, während es links und rechts nichts gibt, was einen überragt, weil der Boden mit trockenen Sträuchern bedeckt ist.
Als wir die Straße überqueren müssen, sind Judith und ich gerade in ein Gespräch über diesen tollen Tag vertieft. Es kommt uns ein Auto entgegen, hält mitten auf der Straße, und ein Mann springt mit einer Karte heraus. Es ist nicht viel Grips nötig, um zu klären, dass er es auf uns abgesehen hat, denn wir sind die einzigen Menschen weit und breit. Er hält auch direkt auf uns zu, Judith verzieht sich etwas in den Hintergrund und der Mann spricht mich an.
„Können Sie mir sagen, wo es hier zum Kreuz des Südens geht?“, fragt er ohne Umschweife auf Deutsch.
Ich brauche einen kurzen Moment, um die Überraschung zu verarbeiten und frage anschließend: „Das Kreuz des Südens? Keine Ahnung, ob es das überhaupt gibt. Ich glaube eher Sie meinen das Cruz de Ferro. Kreuz aus Eisen?“
„Jaja“, er stimmt mit heftigem Kopfnicken ein.
Ich zeige auf der Karte wo wir sind und wo sich das Kreuz befindet. „Sie brauchen die Karte nicht, bleiben Sie einfach auf der Straße in dieser Richtung, es ist nicht zu verfehlen.“
Damit verschwindet er wieder im Auto und braust davon, Judith steht mit herunter geklappter Kinnlade am Wegesrand.
„Woher weiß er, dass du Deutscher bist?“
Genau die Frage geistert auch durch meinen Kopf.
„Entweder seh' ich unglaublich deutsch aus, was ich nicht hoffe, oder der Mann kann nichts anderes als deutsch. Ich bete für letzteres.“
Es muss einfach das letzte sein. Judith und ich haben uns nur in Englisch unterhalten, was soll er da gehört haben?
„Ich meine, ich kann kein Wort deiner Sprache“, sagt sie, „trotzdem habe ich mitbekommen, dass ihr deutsch redet. Man hört das einfach.“
Da mag sie Recht haben, um es direkt zu sagen, klingt Deutsch abgehackt und militärisch. Das beschäftigt uns die restliche Zeit.
Ich brauche einen kurzen Moment, um die Überraschung zu verarbeiten und frage anschließend: „Das Kreuz des Südens? Keine Ahnung, ob es das überhaupt gibt. Ich glaube eher Sie meinen das Cruz de Ferro. Kreuz aus Eisen?“
„Jaja“, er stimmt mit heftigem Kopfnicken ein.
Ich zeige auf der Karte wo wir sind und wo sich das Kreuz befindet. „Sie brauchen die Karte nicht, bleiben Sie einfach auf der Straße in dieser Richtung, es ist nicht zu verfehlen.“
Damit verschwindet er wieder im Auto und braust davon, Judith steht mit herunter geklappter Kinnlade am Wegesrand.
„Woher weiß er, dass du Deutscher bist?“
Genau die Frage geistert auch durch meinen Kopf.
„Entweder seh' ich unglaublich deutsch aus, was ich nicht hoffe, oder der Mann kann nichts anderes als deutsch. Ich bete für letzteres.“
Es muss einfach das letzte sein. Judith und ich haben uns nur in Englisch unterhalten, was soll er da gehört haben?
„Ich meine, ich kann kein Wort deiner Sprache“, sagt sie, „trotzdem habe ich mitbekommen, dass ihr deutsch redet. Man hört das einfach.“
Da mag sie Recht haben, um es direkt zu sagen, klingt Deutsch abgehackt und militärisch. Das beschäftigt uns die restliche Zeit.
In El Acebo machen wir noch einmal Pause, wir brauchen dringend Wassernachschub und die eine Bar macht wunderbar leckere Bocadillos. Der Ort lebt geradezu von den Pilgern, entlang der Hauptstraße stehen zwei Restaurants und ein winziger Supermarkt. Jeder Mensch hält hier an und setzt sich in den Schatten. Mary und ihre Freundin sind ebenfalls hier und lassen sich das Tagesmenü inklusive Wein gut schmecken. Am Wegesrand präsentieren sich mir gut aufgeschlossene Schiefer und Falten, Schiefer und Quarzgänge habe ich auch schon weiter bergauf gefunden. Zu gerne wüsste ich mehr über die geologische Geschichte Nordspaniens. Soweit ich das mitbekommen habe: das kantabrische Gebirge, in dem wir uns derzeit befinden ist der westliche Ausläufer der Pyrenäen und entstand gemeinsam mit den Alpen während der alpidischen Orogenese. Wie wäre es mit einer Exkursion hierher? Meine Infos sind nämlich allzu dürftig.
Weiter marschieren, weiter bergab, um die 800 Höhenmeter sind es bis nach unten, dort irgendwo am Fuß der Berge, wo wir hin möchten. Schon wieder joggen wir hinunter, aber hier macht es weitaus mehr Spaß als in den sanften Hügeln von Rioja, hier sind es Bergpfade oder nicht einmal das, sondern nur große Felsen, über die der "Weg" führt. Dank dieser kuriosen Technik betreten wir schneller als wir dachten das idyllische Dorf namens Molinaseca und werfen uns für eine Unterbrechung in den Park am Flussufer. Der Ort ist zauberhaft, wenn man über die Brücke läuft, hat man einen fabelhaften Blick auf die Kirche zur Linken, die Dächer der Altstadt zur Front und den Park zur Rechten, das sonnige Wetter tut sein übriges.
Judith ruht sich noch eine Weile aus, ich will mich jetzt entscheiden, ob ich hier bleibe oder weiter gehe. Der Ort hat seinen Charme, dass muss gesagt werden. Aber bis Ponferrada sind es nur noch 8 km, die zerren auch an mir. Ich gehe weiter, Judith wird nachkommen. Mein Tempo ziehe ich diesmal enorm an und rase über die Straßen, einige Male finde ich keine Hinweisschilder mehr (das ist für den Camino francés höchst ungewöhnlich, man kann normalerweise ohne Karte laufen, die Schilder sind überall) und ich denke schon, dass ich mich verlaufen habe. Naja, ich bin noch auf der richtigen Route und schließe die letzten 8 km in einer Stunde ab, das tut ungemein gut. Zur Herberge muss ich mich durchfragen, ich habe nicht den blassesten Schimmer, wo die sich befindet. An der "Rezeption" sitzen bereits zwei des Italienertrios, leider ausgerechnet die, deren Namen ich nicht kenne, die aber trotzdem irre freundlich sind.
Es ist jetzt 17 Uhr, damit sind wir 11 Stunden unterwegs gewesen, das gefällt mir, kann's weiter gehen? Judith kommt eine Stunde später an, als ich mich gerade zum Supermarkt verdrücken will. Im Hof der Herberge steht ein Springbrunnen, dort hat sich einer der Italiener hingesetzt und hält seine Füße ins Wasser. Nach einer halben Stunde kehre ich mit Essen in den Taschen wieder zurück und der Typ sitzt immer noch da. Für eine Stadtbesichtigung ist heute leider keine Zeit mehr, dafür sind wir zu spät angekommen. In der großen Küche wird wieder gemeinschaftlich gekocht. Am Tisch mit mir sitzt ein französisches Ehepaar, aber wir unterhalten uns in Englisch. Der Mann fragt mich nach meiner Motivation und ich antworte schlicht, dass es mir um den Sport und die Kultur geht. Natürlich drückt er auf den religiösen Knopf und will anschließend wissen, was ich studiere. Und jetzt reden wir aneinander vorbei. Statt Geologie versteht er Theologie und fällt natürlich aus allen Wolken ob der Tatsache, dass ich konfessionslos bin. Wir diskutieren lange darüber, bis mir klar wird, dass er mich einfach nur falsch verstanden hat.
Die beiden haben einen Narren an mir gefressen, sagen sie, weil ich noch so jung bin und schenken mir den Rest ihrer Tomaten. Ich halte das ein bisschen für übertrieben, einerseits bin ich der jüngste hier, so viel ist klar. Aber wann in meinem Leben habe ich wieder so viel Zeit wie in den Semesterferien? Es gibt auch noch andere in meinem Alter, nur sind die heute Abend nicht hier.
Als ich später am Abend wieder in den Speisesaal zurückkehre, nachdem ich mich lang und breit mit Nicolien, Thomas und Udo unterhalten habe, finde ich dort Judith an einem Tisch sitzend, vor ihr türmt sich ein Berg mit Essen, ihre Augen fallen ihr vor Ungläubigkeit beinahe aus dem Kopf.
Weiter marschieren, weiter bergab, um die 800 Höhenmeter sind es bis nach unten, dort irgendwo am Fuß der Berge, wo wir hin möchten. Schon wieder joggen wir hinunter, aber hier macht es weitaus mehr Spaß als in den sanften Hügeln von Rioja, hier sind es Bergpfade oder nicht einmal das, sondern nur große Felsen, über die der "Weg" führt. Dank dieser kuriosen Technik betreten wir schneller als wir dachten das idyllische Dorf namens Molinaseca und werfen uns für eine Unterbrechung in den Park am Flussufer. Der Ort ist zauberhaft, wenn man über die Brücke läuft, hat man einen fabelhaften Blick auf die Kirche zur Linken, die Dächer der Altstadt zur Front und den Park zur Rechten, das sonnige Wetter tut sein übriges.
Judith ruht sich noch eine Weile aus, ich will mich jetzt entscheiden, ob ich hier bleibe oder weiter gehe. Der Ort hat seinen Charme, dass muss gesagt werden. Aber bis Ponferrada sind es nur noch 8 km, die zerren auch an mir. Ich gehe weiter, Judith wird nachkommen. Mein Tempo ziehe ich diesmal enorm an und rase über die Straßen, einige Male finde ich keine Hinweisschilder mehr (das ist für den Camino francés höchst ungewöhnlich, man kann normalerweise ohne Karte laufen, die Schilder sind überall) und ich denke schon, dass ich mich verlaufen habe. Naja, ich bin noch auf der richtigen Route und schließe die letzten 8 km in einer Stunde ab, das tut ungemein gut. Zur Herberge muss ich mich durchfragen, ich habe nicht den blassesten Schimmer, wo die sich befindet. An der "Rezeption" sitzen bereits zwei des Italienertrios, leider ausgerechnet die, deren Namen ich nicht kenne, die aber trotzdem irre freundlich sind.
Es ist jetzt 17 Uhr, damit sind wir 11 Stunden unterwegs gewesen, das gefällt mir, kann's weiter gehen? Judith kommt eine Stunde später an, als ich mich gerade zum Supermarkt verdrücken will. Im Hof der Herberge steht ein Springbrunnen, dort hat sich einer der Italiener hingesetzt und hält seine Füße ins Wasser. Nach einer halben Stunde kehre ich mit Essen in den Taschen wieder zurück und der Typ sitzt immer noch da. Für eine Stadtbesichtigung ist heute leider keine Zeit mehr, dafür sind wir zu spät angekommen. In der großen Küche wird wieder gemeinschaftlich gekocht. Am Tisch mit mir sitzt ein französisches Ehepaar, aber wir unterhalten uns in Englisch. Der Mann fragt mich nach meiner Motivation und ich antworte schlicht, dass es mir um den Sport und die Kultur geht. Natürlich drückt er auf den religiösen Knopf und will anschließend wissen, was ich studiere. Und jetzt reden wir aneinander vorbei. Statt Geologie versteht er Theologie und fällt natürlich aus allen Wolken ob der Tatsache, dass ich konfessionslos bin. Wir diskutieren lange darüber, bis mir klar wird, dass er mich einfach nur falsch verstanden hat.
Die beiden haben einen Narren an mir gefressen, sagen sie, weil ich noch so jung bin und schenken mir den Rest ihrer Tomaten. Ich halte das ein bisschen für übertrieben, einerseits bin ich der jüngste hier, so viel ist klar. Aber wann in meinem Leben habe ich wieder so viel Zeit wie in den Semesterferien? Es gibt auch noch andere in meinem Alter, nur sind die heute Abend nicht hier.
Als ich später am Abend wieder in den Speisesaal zurückkehre, nachdem ich mich lang und breit mit Nicolien, Thomas und Udo unterhalten habe, finde ich dort Judith an einem Tisch sitzend, vor ihr türmt sich ein Berg mit Essen, ihre Augen fallen ihr vor Ungläubigkeit beinahe aus dem Kopf.
| v.r.: Damian, Judith, Ich, Mary |
"Christian, gut, dass du hier bist. Du musst mir helfen. Die Pilger haben mir das ganze Zeug hier geschenkt, aber ich schaff das nicht alleine."
Nichts leichter als das, zu uns gesellen sich dann noch Mary und ihre Freundin und Damian, aus Polen. Das zweite Abendbrot besteht mehr oder weniger aus einer Prinzenrolle, Streichkäse, viel Brot und genug Pasta und Salat, um eine Armee zu versorgen.
"Christian, weißt du eigentlich, wie viel wir heute gelaufen sind?", fragt mich Judith, während ich den Mund voll Brot habe.
"Ich denke so um die 40 km."
"Ich habe es noch einmal nachgerechnet, es waren 46 km."
"Du machst Witze oder? Warum geht es uns dann noch so gut?"
"Ich kann es auch nicht glauben, am liebsten würde ich gleich weiter marschieren", antwortet sie.
Ich weiß, 46 km sind für manche nicht der Hammer, und bestimmt auch nicht mit einem Gewaltmarsch der Armee zu vergleichen. Aber für uns ist das eine Premiere, abgesehen davon, dass es heute der beste Tag seit Reiseantritt war, haben wir ohne Probleme die 46 geknackt. Heute bin ich stolz auf uns.
zurückgelegte Strecke: 580 km
Nichts leichter als das, zu uns gesellen sich dann noch Mary und ihre Freundin und Damian, aus Polen. Das zweite Abendbrot besteht mehr oder weniger aus einer Prinzenrolle, Streichkäse, viel Brot und genug Pasta und Salat, um eine Armee zu versorgen.
"Christian, weißt du eigentlich, wie viel wir heute gelaufen sind?", fragt mich Judith, während ich den Mund voll Brot habe.
"Ich denke so um die 40 km."
"Ich habe es noch einmal nachgerechnet, es waren 46 km."
"Du machst Witze oder? Warum geht es uns dann noch so gut?"
"Ich kann es auch nicht glauben, am liebsten würde ich gleich weiter marschieren", antwortet sie.
Ich weiß, 46 km sind für manche nicht der Hammer, und bestimmt auch nicht mit einem Gewaltmarsch der Armee zu vergleichen. Aber für uns ist das eine Premiere, abgesehen davon, dass es heute der beste Tag seit Reiseantritt war, haben wir ohne Probleme die 46 geknackt. Heute bin ich stolz auf uns.
zurückgelegte Strecke: 580 km
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